
Wie kann der Oberzeller Klostergarten zukünftig genutzt werden? Mit dieser Frage haben sich Architekturstudierende der Hochschule Frankfurt auseinander gesetzt. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs entwickelten sie Konzepte, die das historische Gelände für neue Nutzergruppen öffnen und gleichzeitig die Werte der Oberzeller Franziskanerinnen bewahren sollen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Anstöße für die langfristige Entwicklung des Areals und werden in die weiteren Planungen der Kongregation einfließen.
Auf dem Gelände des Klosters befinden sich Konvente der Schwestern, das Alten- und Pflegeheim Antoniushaus, das Bildungs- und Tagungshaus Klara, die barocke Klosterkirche St. Michael, die Nutzgärten sowie der überregional bekannte Kräutergarten. Der Montessori Trägerverein hat hier ein Zuhause für Grund-, Mittel- und Fachoberschule gefunden. Neben den Kindern und Jugendlichen haben sich auch Studierende und Künstler:innen im Kloster einquartiert. Im Haus Klara begegnen sich Menschen aus Management, Kirche und Gesellschaft. Bereits seit einigen Jahren beschäftigen sich die Oberzeller Franziskanerinnen mit der eigenen Zukunft und haben – auch aufgrund einer immer geringer werdenden Anzahl von Schwestern – einen Transformationsprozess gestartet.
Ziel des Wettbewerbs
Für den Wettbewerb sollten die Studierenden ein Gesamtkonzept für die öffentliche Nutzung des Klostergartens erarbeiten. Dazu gehörte, das Areal über den Parkplatz zu erschließen, den Garten umzugestalten und bestehende Gebäude einzubeziehen. Die Entwürfe mussten nicht nur bauliche, technische und landschaftliche Gegebenheiten berücksichtigen, sondern auch die Werte und Ziele der Oberzeller Franziskanerinnen widerspiegeln.
Wichtige Vorgaben der Aufgabenstellung waren folgende:
„Das Klostergelände wird ein zukunftsorientiertes Quartier, das sich im Sinne des franziskanisch-klarianischen Geistes und des Charismas der Oberzeller Franziskanerinnen zu einem gemeinwohlorientierten Standort zum Wohnen und Arbeiten weiterentwickelt.
- Das Gelände in Oberzell bleibt eine Einheit. Es wird Orte des Rückzugs und der Ruhe, für Spiritualität, Bildung sowie gemeinsame Wohn- und Arbeitsprojekte bieten und ein vielfältiger Ort werden, an dem sich Jung und Alt unterstützen und ihren Platz finden.
- Oberzell wird Menschen anziehen, die achtsam miteinander und der Natur umgehen sowie unsere Werte teilen.
- Nachhaltigkeit im franziskanischen Geist wird eine große Rolle spielen.
- Der besondere Ort und sein Geist werden respektiert. Wir werden die Erfahrungen und das Wissen der Kongregation stets in die Überlegungen mit potentiellen Partner:innen einbeziehen.“
Prämierte Entwürfe als Inspiration für die Zukunft
Unter der Leitung von Prof. Johannes Fokken erarbeiteten 13 Student:innen der Hochschule Frankfurt sieben Konzepte, die am 14. Februar 2025 im Norbertussaal im Kloster Oberzell präsentiert wurden. Neben der General- und Verwaltungsleitung sowie den Studierenden waren auch einige interessierte Schwestern und weitere Gäste gekommen. Alle teilnehmenden Gruppen hatten detaillierte Modelle ihrer Konzepte erstellt, die durch innovative und nachhaltige Ansätze überzeugten. Zu den Highlights zählten:
- Nachhaltige Architektur: flexible Nutzungskonzepte, zeitlose Formsprache, universelle Grundrisse, ressourcenschonende Bauweisen wie Stampflehm und nachhaltige Ausstattung.
- Suffizienzorientierte Planungen: behutsame Eingriffe in den Bestand und das Gartenareal.
- Rückzugsorte für Ruhe und Erholung: Berücksichtigung von naturnahen Erholungsflächen innerhalb des Gartens.
- Nachhaltigkeitsaspekte: Integration von innovativen Energiekonzepten wie Flusswasserwärmepumpen und Photovoltaikanlagen.
Zur Jury des Wettbewerbs gehörten Generaloberin Sr. Dr. Katharina Ganz, Generalvikarin Sr. Rut Gerlach, Prof. Dominik Wirtgen (Hochschule Frankfurt), Landschaftsarchitektin Juliane Hohwiller (Aschaffenburg), Architekt Friedrich Staib (Sommerhausen) und Mario Hanika (Leiter der Immobilienabteilung Kloster Oberzell).
Gemeinsam wählten sie die drei besten Entwürfe aus:
- „Dreiklang“ von Lea Kittinger und Paulo Pillekamp
- „Sprung“ über die Mauer von Birk Kessel
- „Garten der Wissenschaft“ von Benjamin Kolditz und Sami Charaf
Die prämierten Arbeiten greifen zentrale Aspekte auf und zeigen Wege, wie Tradition und Innovation in Einklang gebracht werden können. Der Sonderpreis für eine besonders gelungene Präsentation ging an Carmen Schillo und Sorelle Kitzmann. Alle Preisgelder wurden von der Firma Klarhyte, vertreten durch Jens Minnemann, zur Verfügung gestellt. Die Konzepte sind nicht nur beeindruckende Studienarbeiten, sondern bieten auch konkrete Impulse für die zukünftige Entwicklung des Klostergartens. Sie werden in die weiteren Überlegungen zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Nutzung des Areals einbezogen und können wichtige Leitlinien für die kommenden Schritte der Planung liefern.