80 Jahre nach der Zerstörung Würzburgs: Gedenken am 16. März

Besonders schwer traf es das St. Anna Heim am Ludwigskai in Würzburg.

Am 16. März 1945 wurde Würzburg innerhalb von nur 20 Minuten fast vollständig zerstört. Die britische Royal Air Force bombardierte die Stadt zwischen 21.25 und 21.47 Uhr – ein Angriff, dem Tausende von Menschen zum Opfer fielen. Die historische Altstadt brannte nahezu vollständig nieder. Der Bombenangriff hinterließ eine Stadt in Trümmern. Auch die Oberzeller Franziskanerinnen waren von den dramatischen Ereignissen betroffen.

In der Chronik und in einem Mutterhausbrief sind die Ereignisse der Nacht beschrieben:

„Am Abend dieses Tages, kurz nach 21 Uhr, gaben die Sirenen das Signal ‚Vollalarm‘. Minuten später regnete es Bomben aller Gattungen. … dumpfe Detonationen, die etwa 20 Minuten anhielten… Die schauervolle Nacht wurde zum erhellten Tag, die Stadt Würzburg zum Flammenmeer… Wir waren in banger Sorge um unsere Schwestern in den verschiedenen Häusern. In dieser grauenvollen, leiderfüllten Schreckensnacht wurde auch unsere Kongregation von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht. … Bald trafen mehrere Wagen Verwundeter aus dem Teillazarett Juliusspital hier ein und mit ihnen die ersten kränklichen Schwestern. Durch sie erhielten wir sichere Nachricht von dem furchtbaren Geschehen. Schwester Oberin M. Felizitas kam mit ihren Schwestern truppweise und vereinzelt zu Fuß noch in der Nacht ins Mutterhaus. Die Schwestern der aktiven Luftschutzgemeinschaft des Juliusspitals suchten nach der Mithilfe bei der mühevollen Bergung der letzten Verwundeten und Kranken mit Einsatz ihrer ganzen Kraft des ausgebrochenen Feuers Herr zu werden und leisteten Übermenschliches.“

Das Haus Nazareth in der Peterpfarrgasse brannte vollständig aus.

Die Kongregation verlor in dieser Nacht sämtliche Würzburger Häuser und Niederlassungen. Besonders schwer traf es das St. Anna Heim am Ludwigskai, wie im Brief zu lesen ist: „In wenigen Sekunden war das schöne Haus unter der Wirkung von drei Volltreffern zusammengesunken und begrub unter sich all die guten Menschen, die es bis dahin beherbergte. Nur Schwester Oberin M. Dominika und noch drei Schwestern sowie Hochw. Herr Kaplan und zwei Damen des Hauses gelang es, durch Rauch und Flammen hindurch den Schutzraum zu verlassen.“ Die im Luftschutzkeller befindlichen Heimbewohner:innen wurden unter den Trümmern begraben, mit diesen auch zwölf Schwestern.

Das Haus Nazareth in der Peterpfarrgasse brannte vollständig aus. Drei Schwestern konnten dort nicht geborgen werden: „Sie wurden ein Opfer der Liebe. Sie blieben mit den alten Damen im Keller. Der Keller war vollständig ausgebrannt. Man konnte nur noch Spuren der Rosenkränze finden.“

Sr. Gundelinde Schmitt begrüßte den Bischof im Namen der Klostergemeinde.

Das Kloster Oberzell blieb von den Bomben verschont. „In der Unglücksnacht strömten weit über 100 obdachlosgewordene Würzburger unserem Hause zu,“ heißt es im Brief weiter. „Vielen Verletzten mussten unsere Krankenschwestern erste Hilfe leisten. Am andern Tag setzte ein neuer Zustrom von Obdachlosen ein. … Mehr als 1000 Personen reichten wir in den ersten vier Tagen Speise und Trank. Viele schliefen bei uns auf Matratzen, auf Liegestühlen und selbst auf dem Boden …“

Das Kloster wurde nach der Zerstörung Würzburgs für mehrere Jahre zum Mittelpunkt der Diözese. Bischof Matthias Ehrenfried und sein Nachfolger Julius Döpfner wurden hier mit Domkapitel und Ordinariat von April 1945 bis Januar 1950 aufgenommen.

 

 

Gedenken am 16. März 2025

80 Jahre nach der Zerstörung Würzburgs gedenken auch die Oberzeller Franziskanerinnen der Opfer dieser schrecklichen Nacht: im Rahmen eines Gottesdienstes am 16. März 2025 in der Klosterkirche.

Nach dem Gottesdienst wurden in der Gruft Kerzen angezündet – für die Oberzeller Schwestern und für alle Opfer von Krieg und Gewalt – und für den Frieden. Eine kleine Gruppe besucht zudem das Grab der am 16. März 1945 verstorbenen Schwestern auf dem alten Friedhof, der für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist. Auch dort wurden Kerzen angezündet und eine kleine Andacht gehalten.

15 Oberzeller Schwestern verloren in dieser Nacht ihr Leben. Die geborgenen Leichen wurden in aller Stille auf dem Klosterfriedhof in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.

Wir gedenken:

Sr. M. Petronilla Zinser (57 Jahre)
Sr. M. Severina Reinlein (54)
Sr. M. Bernadette Essert (46)
Sr. M Theodulfa Ruppert (41)
Sr. M. Olivia Werner (39)
Sr. M. Zenobia Göbel (39)
Sr. M. Erharda Gröber (37)
Sr. M. Romelia Freitag (36)
Sr. M. Riberta Straub (39)
Sr. M. Ragenfrieda Graf (36)
Sr. M. Apollonia Schmitt (31)
Sr. M. Pia Brand (28)
Sr. M. Elekta Hemmelmann (50)
Sr. M. Scholastika Barthelmes (49)
Sr. M. Mildwida Heinlein (36)

Bereits am 19. Februar starb Sr. M. Dietfrieda Poser (29) nach einem Fliegerangriff auf Würzburg.